Stadt
13.05.2020

So schützt Osnabrück Menschen in Unterkünften vor Corona-Infektionen

Sogenannte vulnerable Gruppen, also schutzbedürftige Menschen, die in solchen Einrichtungen wohnen, müssen selbstverständlich wie alle anderen Gruppen ebenfalls geschützt werden. Die Unterbringungssituation ist jeweils sehr unterschiedlich und erfordert einen passgenauen Maßnahmenkatalog, den die Stadt Osnabrück gemeinsam mit den Betreibern oder mit den Bewohnerinnen und Bewohnern direkt je nach Lage und spezieller Situation abgestimmt hat. Die Verwaltung hat daher zahlreiche vorbeugende Maßnahmen ergriffen, um rasch einzugreifen, falls sich die Krankheit in den Einrichtungen auszubreiten droht.

Zu den Geflüchteten

Die Stadt Osnabrück hat bereits Ende 2013 in ihrem Flüchtlingskonzept festgelegt, dass Flüchtlinge soweit wie möglich dezentral untergebracht werden sollen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen konnte damit eine Unterbringung in großen Gemeinschaftsunterkünften oder in Containersiedlungen vermieden werden. Aktuell erfolgt in Osnabrück nur noch in vier Unterkünften eine gemeinschaftliche Nutzung von Küchen und/oder Sanitärräumen. In allen anderen Objekten gibt es durchgängig abgeschlossene Wohnungen.

Sämtliche Unterkünfte sind überwiegend mit Einzelzimmern belegt. Daher stehen ausreichende Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung und der gebotene Sicherheitsabstand kann problemlos eingehalten werden.

Lediglich 26 Personen sind in den Unterkünften auf eigenen Wunsch in Doppelzimmern untergebracht. Der Grund ist einfach und naheliegend: Da diese Bewohner häufig arbeiten und somit die Unterkunft selbst bezahlen, sparen sie als Doppelbeleger Geld bei der Miete ein. Sie alle könnten, sofern gewollt, problemlos in Einzelzimmern untergebracht werden. Sollte das Virus ausbrechen, bestehen für alle Pläne für eine eventuelle Separierung: Mehrere Wohnungen stehen als Notreserve genau für diesen Zweck zur Verfügung.

Alle Bewohnerinnen und Bewohner haben Zugang zu medizinischer Versorgung: Entweder sind sie selbst oder über die Stadt Osnabrück krankenversichert. Sofern Sprachbarrieren bestehen, helfen die Hausmeister vor Ort. Auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit (Telefonnummern sind in allen Unterkünften ausgehängt) haben in den Unterkünften ausführlich über die Verhaltensregeln zur Corona-Pandemie informiert. Weiterführende Informationen laufen momentan aufgrund der Kontakteinschränkungen über Telefon, Whats-App und über Aushänge in den Unterkünften sowie über Multiplikatoren vor Ort.

Mehrsprachige Informationsseiten der Bundesintegrationsbeauftragten gibt es hier. Der Fachdienst Integration hat in einer umfangreichen Abfrage allen Migrantenorganisationen, auch arabischsprachigen, die verfügbaren mehrsprachigen Informationen zukommen lassen.

Wohnungs- und Obdachlose

Die Angebote der Wohnungslosenhilfe werden eng abgestimmt mit der Stadtverwaltung unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der bestehenden Rechtsverordnungen mit Einschränkungen fortgeführt. Die Tageswohnung des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) ist mit verkürzten Öffnungszeiten für Wohnungslose weiterhin erreichbar und auch die Fachberatungsstelle steht zur Verfügung. Bei konkretem Bedarf könnten auch hier die Möglichkeiten der Unterbringung in den o. g. Wohnungen genutzt werden.

Frauen in Not

Die bekannten Hilfeeinrichtungen und Beratungsstellen für Frauen in Not und deren Kinder stehen weiterhin zur Verfügung und sind vor allem telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Aus Vorsorge hinsichtlich einer Corona-Infektion sind die Mehrbettzimmer im Osnabrücker Frauenhaus derzeit nur einzeln belegt. In Absprache mit der Stadtverwaltung wurde daher für weitere Plätze bzw. Quarantänefälle eine Wohnung angemietet. Im Falle eines weiteren Bedarfs kann die Stadt kurzfristig zusätzliche Ressourcen generieren.

Grundsätzlich sind die Bewohnerinnen und Bewohner einer Einrichtung bei einer Corona-Infektion erst einmal genauso zu behandeln wie alle anderen Bürger auch. Sofern sich die infizierte Person in einer abgeschlossenen Wohnung befindet, werden alle Bewohner dieser Wohnung unter Quarantäne gestellt, die entsprechend den Vorschriften einzuhalten ist.

Dort besteht kein Grund für eine Separierung. In einer Gemeinschaftsunterkunft muss in jedem Einzelfall geprüft werden, inwieweit eine wirkungsvolle Separierung überhaupt realisierbar ist. Sollte diese nicht möglich sein, erfolgt diese in einer der oben genannten Wohnungen. Aktuell wird dies bereits praktiziert: drei Geflüchtete, die in der Unterkunft am Limberg leben, sind an Covid-19 erkrankt und wurden daher in diesen Wohnungen getrennt untergebracht. Die Versorgung mit Lebensmitteln und den Dingen des täglichen Bedarfs wird über die Johanniter in Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur gewährleistet. Weitere Bewohner stehen unter Quarantäne. Die Beachtung der Quarantänevorgaben ist äußerst wichtig und wurde durch Dolmetscher vermittelt.

Verstöße gegen die Quarantäneauflagen

Verstöße gegen Quarantänemaßnahmen sind Straftaten nach § 75 des Infektionsschutzgesetztes und können mit einer Geldbuße oder einer Haft von bis zu zwei Jahren belegt werden. Bei nachhaltigen Verstößen gegen die Quarantäneauflagen müssen Maßnahmen getroffen werden, die die weitere Verbreitung des Virus unterbinden. So wie bereits im Stadtgebiet Polizei und Ordnungsaußendienst das Einhalten der Corona-Maßnahmen kontrollieren, werden auch Flüchtlingsunterkünfte zukünftig von Sicherheitsdiensten auf Einhaltung der Quarantänemaßnahmen überprüft.